Darstellendes Spiel

Mit seiner scheinbar spontanen Talentshow hat der Kurs Darstellendes Spiel WU9 von Herrn Schüler in der Altstadt vor dem Kunstverein sein Publikum mit Theaterszenen, Hiphop-Tanz, einer Lesung, eigenen Raps bis hin zur Persiflage auf Michael Jacksons „Billy Jean“ begeistert.

Die Gruppe mit Aktivboxen, Mischpult und Mikros nähert sich der Cafébar im Kunstverein, wo sie den Strom für ihre Anlage beziehen werden. Kaum ist alles aufgebaut greift Moderatorin Claudia Osei-Owusu zum Megafon und kündigt lautstark eine Talentshow an, die schnell ihr Publikum findet, dass hier zwischen Römer, Schirn und neuer Altstadt neugierig stehen bleibt.

Mit einer Dramatisierung des Romans „DIE WELLE“ und angelehnt an den Film von 2008 überzeugt der DS-Kurs E unter Leitung von Herrn Schüler sein Publikum, dass „Macht durch Disziplin“, „Macht durch Gemeinschaft“ und „Macht durch Handeln“ noch keinen Werte-Kompass darstellen.

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Diese Leitsprüche, mit denen ein Lehrer und seine Referendarin (Arian Kabuli und Maja Hütte) ihrer Klasse die eigene Anfälligkeit für Faschismus demonstrieren möchten, liefern den Ausgangspunkt für das, was folgt: Die Gruppe stellt sich über andere und fordert von jedem, sich ihren Regeln zu unterwerfen. Ein bisheriger Underdog nimmt es besonders ernst (Theo Sidiropoulos). Das ruft Opposition auf den Plan: Die Welle-Gegner (Rozerin Kaplan, Chiara Perez Zieres, Rayane Wersdörfer Ferreira und Lilli Morgenestern) organisieren eine Anti-Welle Demo und machen mit Trillerpfeifen, Megafon und Flyern auf ihre Ziele aufmerksam. Als Herr Kabuli und Frau Hütte ihr Experiment abbrechen wollen, ist es schon zu spät: Ihre angestachelte Klasse (Gabriel Duvnjak, Mohamed Habibou, Can Kündas und andere) will die erfahrene Macht nicht mehr missen und zerrt den „Verräter“ (Ayman Lhadaf) nach vorne. Die Frage, was man nun mit ihm machen sollte – foltern oder töten – bringt die Klasse wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und zeigt, dass sie selbst faschistische Züge angenommen hat. Theo verkraftet das Ende  der „Welle“ nicht, schießt einen Kameraden an und nimmt sich das Leben.

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Das Ensemble begeistert durch eine starke Gemeinschaftsleistung, authentische Sprache und glaubwürdige Protagonisten. Die Erzählerin (Manal Taufik) schafft die kritische Distanz zu einer zunehmend gewaltbereiten „Welle“.

06.06.2019

Martin Schüler