Fachbereich II

 

In diesem Jahr findet die Menbschenrechtswoche vom 11.12. bis 15.12.2017 in der Liebigschule unter dem Motto „Demokratie und Menschenrechte – Europa, wohin steuerst du?“statt. Das umfangreiche Programm sieht auch zwei Podiumsdiskussionen vor:

Dienstag, 12.12.2017 von 10.00 bis 11.30 Uhr

„Wertewandel in europäischen Gesellschaften – Wie viel Vielfalt wollen wir?

Podiumsdiskussionsteilnehmer:

                                                Jessica Burkhardt (Grüne)

                                                Dr. Thorsten Lieb (FDP)

                                                Dr. Meron Mendel (Direktor des Anne-Frank-Bildungswerkes)

                                                Thomas Kirchner (CDU)

                                                Martin Kliem (Die Linke)

                                                Khola Mayam Hübsch (Ahmadiyya Gemeinde)

Donnerstag, 14.12.2017 von 10.00 bis 11.30 Uhr

„Demokratie und Menschenrechte in der Türkei“

Podiumsdiskussionsteilnehmer:

                                               Eskandari-Grünberg (Grüne)

                                               Merve Ayyildiz (Die Linke)

                                               Verena David (CDU)

                                               Figen Brandt (SPD)

                                               Julia Luther (Amnesty International)

 

Beim 64. Europäischen Wettbewerb war dieses Jahr die Liebigschule gleich doppelt erfolgreich. Florentine Imeri, Pauline Riehl, Laetitia von Westernhagen und Lisa Paprotny holten einen der begehrten Bundespreise; Hannah Politycki und Kim Weißkopf wurden mit einem Landespreis ausgezeichnet.

Wo früher die Obstgärten wohlhabender Frankfurter Familien lagen, und später die erste moderne Psychatrie Frankfurts errichtet wurde, entstand zwischen 1928 und 1931 eines der größten Bürogebäude der Welt. Seit 2001 ist dieser „I.G. Farben Bau" das Hauptgebäude des jungen Universitätsstandortes Campus Westend. Die vom Geschichts-Grundkurs Q3 besuchte Dauerausstellung in diesem I.G. Farben Bau erzählt die 200-jährige Geschichte des Grundstücks.

Die Interessengemeinschaft Farben, der größte Chemie-Trust Europas, hatte hier bis 1945 seine Konzernzentrale. Ab 1933 sucht und findet dieser Konzern eine unheilvolle Kooperationsbasis mit den Nationalsozialisten. Die Vorbereitungen auf den geplanten Weltkrieg lenken das Interesse von Politik und Wirtschaft auf die Erforschung und Produktion synthetischer Stoffe wie z.B.
BUNA das künstliche Kautschuk. Mit dem Vorrücken der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg expandiert der Konzern in alle eroberten Gebiete und unterwirft dort die chemische Industrie. Der Konzern versklavt und ermordet zentausende Häftlinge in seinem eigenen Konzentrationslagers Auschwitz II-Monowitz. Die Massentötung in den Konzentrationslagern wird durch Anwendung des Gifts Zyklon B, produziert durch die Tochterfirma Degesch, auf grauenvolle Weise ausgeweitet und beschleunigt.

Die Zerschlagung des Trusts und die juristische Verfolgung der Verantwortlichen im Konzern erfolgt nach 1945 nur teilweise. Die Entschädigung der Sklaven- und Zwangsarbeier ist bis heute unbefriedigend geblieben.

 

8.6. 2015 Zeitzeugengespräch in der Schulbibliothek der Liebigschule

„Ich weiß so wenig über die Geschichte meiner Mutter"

„Meine Mutter wurde als drittes Kind ihrer Eltern am 9. November 1938 in Frankfurt geboren. In der gleichen Nacht wurden in Frankfurt, wie in ganz Deutschland, Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte geplündert, jüdische Familien in ihren Wohnungen überfallen, misshandelt, verhaftet und deportiert. So auch mein Großvater, der zwei Stunden nach der Geburt meiner Mutter in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt wurde."
Dena Lehrman hat nicht viele Erzählungen über Geburtsstadt ihrer Mutter zu hören bekommen. Ein Foto des Haushaltswarengeschäfts der Großeltern in der Bergerstraße 72 hat sie dabei. Der Besuch in Frankfurt ist für sie und ihren Mann Marc eine erste Spurensuche im Frankfurt der 30'er Jahre und die Entdeckung des heutigen Frankfurts.
„Aus Angst vor einer Wiederholung des Holocaust, und in Sorge um mich und meine Schwester legte meine Mutter ihren jüdischen Namen Bodenheimer ab und wählte einen amerikanischen Familiennamen. Wir lebten viele Jahre abgeschieden in der Provinz Massachusetts, die nächsten Nachbarn lebten 5 Kilometer entfernt. Meine Mutter hat kaum über Frankfurt gesprochen, das sie mit 18 Jahren verlassen musste."
Auch Judith Wayne weiß wenig über die Familiengeschichte der Bodenheimers in Frankfurt. Der Großvater hatte eine Papierfabrik in Bockenheim, die Familie wohnte zuerst in der Sophienstrasse, dann in der Schuhmannstrasse. 1963 war sie als Zwölfjährige ein erstes Mal mit ihrer Mutter in Frankfurt. Jetzt, 2015, ist sie ein zweites Mal zurückgekehrt.
Im Gespräch mit Schülerinnen unserer Oberstufe tauschten Dena Lehrman und Judith Wayne Erfahrungen über Fremdenfeindlichkeit und Gastfreundschaft in den USA, Israel und Deutschland, über Vorurteile und persönliche Erfahrungen aus und über das verschweigen traumatischer Familienerlebnisse.
 
 
Das Gespräch mit Schülern an Frankfurter Schulen ist seit 1980 fester Bestandteil eines Besuchsprojektes der Stadt Frankfurt. In diesem Projekt die Stadt Frankfurt ehemalige Frankfurter und Frankfurterinnen in ihre alte Heimatstadt ein, aus der sie von den Nationalsozialisten vertrieben worden waren. Seit drei Jahren hat die Stadt Frankfurt, in einer Vorreiterrolle, diese Einladung auch auf die Kinder- und Enkelgeneration der Vertriebene ausgeweitet. So kamen dieses Jahr dreiundzwanzig Zeitzeugen aus den USA, Chile, Uruguay, Argentinien und Israel in die Heimatstadt ihrer Eltern. Für viele von Ihnen war es ein gewagter Schritt in ein fremdes Land. Das Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt unterstützt dabei die Begegnung mit Frankfurter Schülern. Eine Begegnung, die für beide Seiten als Bereicherung und Aufforderung zu einem engagierten Verhalten gegenüber Diskriminierung in jeder Form verstanden wurde.
 
 

 Um für Oberstufenschüler zu dieser sehr brennenden Thematik eine Orientierung anzubieten, gab es am Donnerstag, 19. 2., in der Aula einen Trialog der Religionen. Referentinnen der evangelischen Kirche sowie aus dem Judentum und dem Islam haben dargestellt, wie sie zu ihrer Zusammenarbeit kamen und was sie bewegt, gemeinsam tätig zu sein - also nicht über andere zu reden, sondern miteinander.
Sie waren sich darüber einig, dass man selbst überdehnte Satire tolerieren muss. Die Fragen aus der Schülerschaft zeigten, dass die Akzeptanz der
staatlichen Gesetze zur Pressefreiheit und zum Gewaltmonopol unabdingbar ist, um friedlich miteinander leben zu können. Burkhard Mohr als Fachsprecher für Religion und Ethik, der die Veranstaltung moderierte, zeigte sich trotz des ernsten Hintergrundes erfreut, dass das Gespräch möglich war und in bemerkenswert konstruktiver Weise stattfinden konnte.