Liebigschule Frankfurt, Kollwitzstr. 3, 60488 Frankfurt, Tel.: 069 212 39479, Fax: 069 212 394 80, poststelle.liebigschule@stadt-frankfurt.de

Theater

Theater AG macht Woyzeck fit für die Postmoderne

Ein sadistisches Ärzteteam quält Woyzeck mit allen Mitteln und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Gleichzeitig folgen sie einem "Fitness-Wahn", der nur noch übertönt wird durch die 125 Beats per minute dröhnende Techno-Klänge und dem Stakkato von Walking-Stöcken, durch die ein vom Zeitgeist überforderten Woyzeck in den Wahnsinn getrieben wird.


Martin Schüler gelingt es mit seiner Theatergruppe mal wieder, ein Theaterstück des 19. Jahrhunderts so zu aktualisieren, dass der Gegenwartsbezug des Büchner Stücks den Zuschauern deutlich wird.

Woyzeck, gespielt von einem hervorragend disponierten Bruno Long, scheint der Wahnsinn aus allen Poren zu treten und Bruno Long schafft es, diesen sogar noch zu steigern, wenn seine Peiniger ihn erniedrigen, herumschubsen oder mit seinen Gefühlen spielen, aber auch Büchners Sozialkritik bringt er klar zum Ausdruck, wenn er auf die sozialen Ungleichheiten hinweist, die einen Geknechteten wie ihn sogar im Himmel erwarten.

Seine Hauptfrau, gespielt von Anna Knechtel, lässt Woyzeck ebenso spüren, was sie von ihm hält und demütigt ihn ebenfalls. Woyzeck, dem der Sinn seines Tuns abhanden gekommen zu sein scheint, wird zudem von Marie, gespielt von Laila Fischer, die sich teils naiv, lasziv und auch mitfühlend gegenüber ihrem Woyzeck verhält, betrogen.

Der Tambourmajour, verkörpert von Yassine Ec-Chargy, der erst – aufgrund eines Ausfalls – zur Generalprobe eingestiegen ist, wird als skrupelloser, in ein Megafon brüllender Schikanierer auf dem Exerzierplatz gezeigt, der seine narzisstischen Züge bei seinem Erscheinen in Maries Kammer voll auslebt.

Andres, gespielt von Marcel Steinberg, zeigt sich in einer ernsthaften und zurückhaltenden Art, wirkt aber immer wieder auch erschüttert von Woyzecks Ausbrüchen und steht dessen Wahn fassungslos gegenüber.

Die dramaturgische Klammer setzt Elaine Baechle als eine Putzfrau, die knapp, aber gekonnt in das Stück eingeführt und dieses auch beendet hat. Schnodderig, lebensklug, entsorgt sie am Ende die Leiche von Marie und putzt „die rote Suppe" weg.

Besonders gut beim Publikum kam die hinter einem Paravent spielende Liebesszene, die mit dem französischen Song „Je t'aime" unterlegt worden war, an.

Alles in allem eine wunderbare Inszenierung, mit der Martin Schüler und seine Theater AG wieder einmal nachwiesen, dass sie mit geringen Mitteln und viel Engagement Schultheater auf die Bühne bringen können, das wirklich sehens- und empfehlenswert ist.

Vielen Dank dafür an alle Beteiligten!

Besetzungsliste

Woyzeck Bruno Long

Marie Laila Fischer

Doctores Hanna Kraft , Lili Gefeller, Lilith Langhammer

Hauptfrau Anna Knechtel

Tambourmajor Yassine Ec-Chargy

Andres Marcel Steinberg

Margret, Putzfrau Elaine Baechle

Liebigschüler führen im Mousonturm „Romeo & Julia 60311“ auf

 
Im Rahmen des TuSch-Spektaktels (Theater und Schule) führte der DS-Kurs E2 von Martin Schüler am Mittwoch, den 16.07.2014 eine modernisierte Version des Shakespeare-Klassikers "Romeo & Julia" im Mousonturm auf.
 
 
 
Dabei interpretierten die Schüler in Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Michaela Conrad das Theaterstück neu und verlegten es kurzerhand in die Frankfurter Innenstadtl. Unter dem Titel "Romeo & Julia 60311" kam es zwar immer noch zur Konfrontation der Montagues mit den Capulets und Mord und Totschlag, aber eben in einer Shishabar im Bahnhofsviertel.
 
 
Die Liebe auf den ersten Blick wurde per What'sApp vertieft und am Ende schossen sich die Protagonisten beide eine Kugel in Kopf – doch halt, da klingelte der Wecker... war dies alles nur ein Traum?
 
 
Mit dieser Aufführung endet die dreijährige Kooperation der Liebigschule mit dem Freien Schauspiel Ensemble Frankfurt (FSE), vertreten von der Schauspielerin Michaela Conrad. Für die Förderung der Theaterarbeit an der Liebigschule möchten wir uns beim FSE und TuSCH und insbesondere bei Michaela Conrad bedanken.
 
Vielen Dank im Namen des DS-Kurses und der Liebigschule!!!

Grußwort der Schulleitung